Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Koldingen

Die Domäne Coldingen hatte die Auflage für den Feuerschutz auf der Domäne und den dazugehörigen umliegenden Gebäuden zu sorgen.
Deshalb haben Mitarbeiter der Domäne den Feuerschutz, mit einer Handruckspritze, für die Gemeinde Coldingen sowie der Domäne gewährleistet.
Es bestand eine so genannte Pflichtfeuerwehr für die Gemeinde Coldingen, bestehend aus Mitarbeitern der Domäne.
Im Jahre 1837 wurde eine überzählige Handruckspritze (Feuerspritze) an die Gemeinde Rethen für 80 Thaler Courant abgegeben.
1898 wurde eine neue Handruckspritze von der Domäne angeschafft, die heute noch vorhanden ist und an die freiwillige Feuerwehr übergegangen ist.

Die Pflichtfeuerwehr in Koldingen wurde im Jahre 1935 durch eine freiwillige Feuerwehr abgelöst. Nach dem Gründungsprotokoll vom 29.März 1935 traten der Wehr zum Gründungstage 27 Kameraden bei. Auf Vorschlag des Gemeindeschulzen Herrn Köster (Domänenpächter) wurde der Gemeindeschöffe und spätere Bürgermeister Albert Voges vom Kreisfeuerwehrführer Ahrberg mit der Führung der Wehr beauftragt und zum Brandmeister ernannt.
Die Satzung der „freiwilligen Feuerwehr Koldingen e.V.“ wurde am 28.06.1935 in das Vereinsregister eingetragen. Nach der Musterdienstvorschrift vom 8. August 1935 gehörte unsere Wehr zum Löschverband Grasdorf und zählte mit 27 Mann als Halblöschzug.
Ausgerüstet war die Wehr mit einer Handdruckspritze, einem Angriffswagen, und 250m C-Schlauch.

Mit der alten von Pferden gezogenen Handruckspritze wurde in den ersten Jahren noch fleißig geübt. Die Übungen fanden vorwiegend am Mühlenteich statt, denn dort war, wahrscheinlich für das nahe gelegene Gut, ein Feuerlöschbrunnen.
Im Jahre 1941 wurde dann eine Tragkraftspritze angeschafft, die in einem einachsigen Anhänger transportiert wurde, als Vorspann diente ein Trecker. Hatte für die alte Handruckspritze das Gut jeweils ein Pferdegespann zu stellen, so wurden nach der Aufsiedelung des Stadtgutes die Landwirte für Vorspanndienste verpflichtet.
Bis zum 2. Weltkrieg brauchte die Wehr nicht häufig eingesetzt werden.

Umso mehr wurde sie in den Kriegsjahren nach Luftangriffen auf die Stadt Hannover und die Nachbargemeinden für Einsätze herangezogen. Aber auch in Koldingen konnte die Wehr sich bewähren, denn auch unser Ort wurde durch Luftangriffe nicht verschont. Neben mehreren kleinen Bränden, die es zu bekämpfen galt, kam es auch zu verschiedenen Großeinsätzen. So konnten zwei Wohnhäuser, zwei Scheunen und ein Viehstall trotz unermüdlichen Einsatzes der Wehr nicht mehr gerettet werden und wurden vernichtet. Hier leisteten die Wehren der Nachbargemeinden tatkräftige Hilfe bei der Bekämpfung des Feuers und bei Aufräumarbeiten.

Nach dem Tode des Brandmeisters Albert Voges übernahm Richard Brüggemann die Führung der Wehr und war Brandmeister von 1943 bis 1951.

Aus den Aufzeichnungen von Richard Brüggemann, Koldingen geht hervor, das
….bei einem Nachtangriff auf Hannover im Spätsommer 1943 gegnerische Flugzeuge von der deutschen Abwehr wahrscheinlich abgedrängt wurden. Sie warfen ihre Bombenlast auf die südlich von Hannover liegenden Dörfer ab. In Koldingen wurden dabei 7 Gebäude getroffen und gerieten in Brand.
Die Brandbekämpfung war sehr schwierig, da die von Hannover kommenden Wasserleitungen unterbrochen waren. Brunnen waren nicht vorhanden. Wasser wurde unter diesen Umständen mit Jauchewagen aus der Leine geholt. Auch die aus dem Jahre 1898 stammende Handdruckspritze war mit im Einsatz. In der Brandnacht hielt der Koldinger Brandmeister durchfahrende Feuerwehren an (die auf dem Weg nach Hannover waren) und konnte diese zur Mithilfe bei der Brandbekämpfung einsetzen.
Bei einem Tagangriff im Frühjahr 1945 wurde durch eine Sprengbombe der Stall von Familie Lindenberg vernichtet (heute Ruther Weg 1) Die toten Kühe und Rinder wurden in Bombentrichtern an der heutigen Leineaue vergraben. Bei dem Angriff wurde auch das Wohnhaus der Familie Mönkemeier (heute Ruther Weg 15) schwer beschädigt. Nach dem Großangriff auf Hildesheim wurde die Koldinger Feuerwehr per Straßenbahn nach dort gefahren um bei den Aufräumarbeiten zu helfen
Im Jahre 1954 wurde ein neues Spritzenhaus gebaut und die alte TS 8 wurde 1960 durch eine neue TS 8 VW ersetzt. Für den aus Krankheitsgründen ausgeschiedenen Richard Brüggemann wählte die Wehr 1951 als Nachfolger Robert Beddies, der die Wehr bis 1975 leitete.
Das 30jährige Bestehen der Wehr im Jahre 1965 wurde mit einem Zeltfest gebührend gefeiert. Als Geburtstaggeschenk übergab die damals noch selbstständige Gemeinde der Wehr ein neues Mannschaftsfahrzeug. Nun endlich war auch unsere Wehr voll motorisiert und die „Trecker-Feuerwehr“ konnte außer Dienst gestellt werden.
Seit 1974 besitzt die Wehr ein neues TSF, das damals nach dem neuesten Stand ausgerüstet wurde und neben technischen Neuerungen auch Atemschutzgeräte enthält. Später wurde dieses Fahrzeug auch mit Funk ausgerüstet.
Einen Einschnitt in der Geschichte der freiwilligen Feuerwehr Koldingen bedeutete die Gebiets- und Verwaltungsreform im Jahre 1974. Die alten Feuerwehrunterkreise wurden aufgelöst und unsere Wehr wurde ein Teil der Stadtfeuerwehr Pattensen.
Jedoch wird die in langen Jahren gewachsene Kameradschaft zum alten Unterkreis III mit den Orten Arnum, Devese, Harkenbleck, Hemmingen, Hiddestorf und Wilkenburg noch viele Jahre gepflegt. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Vorurteile herrscht schnell eine gute Kameradschaft zu dem im Stadtverband Pattensen zusammengeschlossenen acht Nachbarwehren, die eine schlagkräftige Truppe bei jeder Art von Zusammenarbeit bilden.
Nach 24jähriger Amtszeit stellte Robert Beddies seinen Posten im Jahre 1975 zur Verfügung. Als Nachfolger wurde sein Stellvertreter Robert Lattemann zum Brandmeister gewählt.

Im Jahre 1978 stellte die Stadt Pattensen der Wehr einen Raum in der alten Schule zur Verfügung. Dieser Raum wurde in beispielhafter Eigenarbeit zu einem schmucken Versammlungs- und Schulungsraum hergerichtet.
Ebenso wurde in Eigenarbeit ein neben der Schule liegender Stall, der ebenfalls der Wehr von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde, als zweites Spritzenhaus eingerichtet. Damit fand auch der im Jahre 1983 angeschaffte Mannschaftstransportwagen MTW eine Unterstellmöglichkeit.
Mitte des Jahres 1978 traten mehrere Jugendliche der Jugendfeuerwehr Reden (gegründet 1975) bei, da es sich für unseren Ort noch nicht lohnte eine Jugendfeuerwehr zu gründen. Von diesem Zeitpunkt an nannte sich die Jugendfeuerwehr Reden Koldingen.
Seit dem 1.November 1979 wurde die Jugendfeuerwehr von dem Jugendwart Karl Völcker geleitet und ab diesem Zeitpunkt findet die Jugendarbeit auch in Koldingen statt.
Gemäß dem Bildungsprogramm der Deutschen Jugendfeuerwehr wird zur etwa 50% ein feuerwehrtechnische Ausbildung betrieben und der Rest einer allgemeinen Jugendarbeit mit sportlichen Wettkämpfen, Spiel- und Lehrfilmabenden gewidmet.
Da nur noch wenige Redener Jugendliche an den regelmäßig stattfindenden Unterweisungen und Spielabenden teilnahmen, erfolgte 1981 eine Umbenennung in Jugendfeuerwehr Koldingen – Reden.

Die Jugendfeuerwehr erhielt im Jahre 1980 eine Fahne
Am 20. Januar 1982 gab es einen Brand auf dem Hofe Lindenberg. Der Dachstuhl des Kuhstalles wurde vollständig durch den Brand zerstört. Ursache war ein technischer Defekt. Die Koldinger Wehr wurde von den Nachbarwehren unterstützt. Erschwert wurde die Brandbekämpfung durch sehr niedrige Temperaturen, etliche Schläuche froren ein und mussten ausgetauscht werden.

Im Jahre 1985 wurde das 50jährige Bestehen mit einem zünftigen Zeltfest gefeiert.
Im Jahr darauf wurde der Kamerad Karl-Heinz Nowak zum Brandmeister gewählt.

Durch eine Bekanntschaft der Familie Beddies zu einer Familie in Schnarsleben bei Magdeburg erwächst im Jahre 1989 eine Partnerschaft zu der dortigen freiwilligen Feuerwehr Schnarsleben, die bis heute gepflegt wird.

Unser 55jähriges Bestehen wurde im Jahre 1990 mit einem großen Zeltfest auf dem Sportplatz in Koldingen gefeiert. Mitglieder der Feuerwehr Schnarsleben besuchten uns mit Ihren Ehefrauen. Sie fanden eine herzliche Aufnahme in unseren Familien und gemeinsam wurde bis zum frühen Morgen gefeiert.

Unser Brandmeister Karl-Heinz Nowak legte 1994 aus beruflichen Gründen sein Amt als nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Christian Voges gewählt.

Unser Jugendwart Karl Völcker trat 1996 von seinem Amt zurück, ihm folgte Daniel Hoppenstock.

In der Zeit von 1996 bis 1999 stellte die freiwillige Feuerwehr den MTW als Schulbus für die Koldinger und Redener Kinder zur Verfügung.

Leider musste Christian Voges 1999 aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Brandmeisters zurücktreten. Der Kamerad Henning Brüggemann wurde sein Nachfolger.

Ende 1999 konnte ein neuer MTW angeschafft werden. Dies gelang nur mit großer Unterstützung unseres Kameraden Christian Voges, denn das Auto war vorher als
KLF bei der Messe AG im Einsatz. Die Stadt Pattensen musste aus diesem Grund nicht so tief in ihre Schatulle greifen und „nur“ 25.000,- DM aufbringen. Die notwendigen Umbauarbeiten zum MTW nahm die Fa. Jörg Adamschak aus Koldingen vor.

Unser 65jähriges Jubiläum feierten wir im Sommer 2000 als Scheunenfest auf dem Hof der Familie Wilke.

Im August 2000 konnte dann unser Ortsbrandmeister Henning Brüggemann aus den Händen des Stadtbrandmeisters Horst Dobslaw und dem Bürgermeister Günther Griebe die Schlüssel des neuen TSF-W entgegen nehmen.

Das Fahrzeug ist den Wünschen und Bedürfnissen unserer Wehr entsprechend ausgestattet. Es besitzt unter anderem einen 500l Wassertank und eine Schnellangriffseinrichtung.

In den darauf folgenden Jahren wurde das Fahrzeug durch Eigenmittel, Spenden unserer Bürger, sowie ortsansässiger Firmen komplettiert. Es wurden ein Beleuchtungssatz und eine Kettensäge angeschafft.

In den frühen Morgenstunden des 25.April 2002 wurden die Feuerwehren Koldingen und Reden durch die Sirenen herausgerufen. Das stillgelegte Kieswerk an der Leine brannte. Schon auf der Anfahrt war der Feuerschein zu sehen, es wurden gleich die Nachbarwehren aus Laatzen und Pattensen mit ihren Drehleitern hinzualarmiert. Nach ca. 1,5 Stunden war das Feuer gelöscht, es entstand ein Schaden in Höhe von ca. 500.000,00 EUR.

2004 wurde dann der Funk im TSF-W auf das neue Funkmeldesystem (FMS) umgestellt.

Am 05.September 2004 wurde die Feuerwehr Koldingen zu einem Verkehrsunfall auf der B443 gerufen. In Höhe des Bokemer Holzes waren zwei Autos frontal zusammen gestoßen. Wir waren die erste Feuerwehr am Unfallort, dort angekommen, haben wir die bereits vor Ort befindlichen Sanitäter und Ärzte unterstützt. Erst die nach uns eintreffenden Wehren aus Pattensen und Laatzen mit ihrem schweren Gerät konnten die Verletzten aus den völlig zerstörten Fahrzeugen befreien. Es gab drei Schwerverletzte und einen Toten.

Nach einer Amtsperiode trat Henning Brüggemann 2005 zurück, Heiner Schnehage junior folgte ihm in das Amt des Brandmeisters.

Außerdem wurde im Jahr 2005 bei uns die Alarmierung über Handy eingeführt (als eine der ersten Wehren im Stadtgebiet). Die Handy-Alarmierung ergänzt die herkömmliche Alarmierung über Sirene und Pieper.

Am 29.Mai 2005 begehen wir nun unser 70jähriges Jubiläum. Diesmal auf einer etwas anderen Weise, nämlich als „Tag der offenen Tür“.

Die Jugendfeuerwehr Koldingen – Reden feiert gemeinsam mit uns ihr 30jähriges Bestehen.

Der Tag wird mit verschiedensten Vorführungen vom THW, DRK und der Feuerwehr natürlich, verbracht. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Unsere Kleinen können bei einem Parcours Ihre Geschicklichkeit beweisen. Außerdem ist das Brandschutzmobil der VGH mit von der Partie. Musikalisch wird der Tag vom Musikverein Pattensen untermalt.

Die freiwillige Feuerwehr ist nicht nur eine Institution der Stadt oder des Ortes zur Brandbekämpfung, sie ist auch einer der Träger des Gemeinschaftslebens im Ort. Das geht von der Jugendarbeit in der Jugendfeuerwehr bis zur Unterstützung der anderen örtlichen Vereine bei Ihren Veranstaltungen.
In dem abschließenden Dank an die Kameradinnen und Kameraden für Ihre Bereitwilligkeit zur Hilfe ist auch der Rat und die Verwaltung der Stadt Pattensen mit eingeschlossen, die stets bemüht sind, die Feuerwehr in allen Belangen zu unterstützen.

Die freiwillige Feuerwehr der Stadt Pattensen Ortswehr Koldingen ist und bleibt ein Stück der Gemeinde und ihres kulturellen Lebens. Sie wird auch in Zukunft immer zur Hilfe bereit sein, getreu dem Wahlspruch:

„Gott zur Ehr, - dem nächsten zur Wehr“